Lyrik - Leseproben

Diese Texte sind urheberrechtlich geschützt.

Vervielfältigungen jeglicher Art nur mit Zustimmung der Autorin!

 

Winternacht

 

Kälte ließ klirren zerbrochene Scheiben,
Eisblumen blühten so schön wie gemalt.

Schneestürme ließen die Schneeflocken treiben,
düster und dunkel erhob sich der Wald.

 

Alt und allein saß der Mann in der Hütte,
schimmernd schlohweiß seine Haare wie Schnee.
Augen tiefblau, voller Wärme und Güte,
starrten hinaus auf den eisigen See.

 

Frierend hielt er seinen Mantel zusammen,
kalt war der Ofen, verloschen die Glut,
hart war das Brot in den Händen, den klammen,
still war sein Herz, und erstarrt war sein Blut.

 

Blühende Blumen aus Eis - letzte Grüße,
Botschaft des Todes, so stark seine Macht,
Zauber des Winters in schmerzlicher Süße,
ewig sein Schlummer, und lang diese Nacht.

 

 

Kein Tag wie der andere

 

Kein Tag wie der andere,
keine Stunde die gleiche,
so fliegen die Jahre
dahin wie der Wind.

 

Man möchte sie halten
die Stunden, die süßen,
die Tage voll Sonne,
das Leben voll Licht.

 

Doch nichts kehret wieder,
kein Frühling, kein Sommer,
nur schön die Erinnerung,
die bleibt wie ein Traum.

 

Das große Fragezeichen

 

S ER  K U R

U N            Z E S

                             L E

                  B E N

           A U F

          D I E

    S E R

              E R D E                

       I S T                   

E I N                   

G R O S                     

S E S                         

    F R A     C H E N   

G E     Z E I

 

 

   K T    .     I R  

      P U N               G E N D

       N E N               W A N N

       E  I          H A T

   E S  

 

 

Zug in der Nacht

 

Zug in der Nacht,
nächtliche Reise,
reisende Menschen,
menschliche Träume.

 

Traumhafte Lichter
leuchten im Dunkeln,
dunkle Gestalten
huschen vorbei.

 

Zug in der Nacht,
nächtliches  Leben,
lebendes Schweigen,
schweigsames Atmen.

 

Atmende Seelen,
selige Trauer,
trauriges Ende,
Ziel dieser Reise.

 

Blatt am Baum

 

Ich bin du -

Blatt am Baum,

jung und frisch,

voller Lebenslust,

dem Sturme trotzend.

 

Du verfärbst dich,

Blatt am Baum ?

Wirst langsam,

aber sicher, alt ?

Und irgendwann

in ungewisser Zukunft

treibst du allein

im Wind.

 

O bleibe, Blatt,

am Baum

noch eine kleine Weile.

Halte dich fest,

und lass' dich nicht

zu früh

vom Sturm entreißen.

 

Die Sanduhr

 

die stunden unseres lebens zerrinnen
langsam zerbröckelnd in den fäng
en der uhr ohne wiederkehr b
is das letzte sandkorn un
aufhaltsam im schwarz
en engen trichter
sog verschwin
det hinei
ngezo
g
en vo
n einer u
nerklärlichen
starken macht und
eintaucht in das dunkl
e meer der anderen sandk
ornseelen  die es sofort schüt
zend umhüllen und nie mehr das gl
eißende licht des tages sehen lassen.

 

 
Die Zeit des späten Sommers
 

Wenn die Grillen zirpen
und der Phloxstrauch blüht,
wenn der Duft der Pilze
durch die Wälder zieht,
wenn die Birken rauschen,
Vogel singt sein Lied,
schmales, stilles Weglein
durch die Felder führt.

 

Wenn der Abendhimmel
rot wie Feuer glüht,
zarter Nebelschleier
dort den Waldrand ziert,
wenn des Teiches Ufer
sich im Dunst verliert,
dann der späte Sommer
meine Sehnsucht schürt:

 

Immer möcht'  ich wandern,
atmen diese Zeit,
spüren voll Verlangen
die Unendlichkeit.

 

 

Erinnerung
 

Träume von gestrigen Zeiten,

damals war ich noch ein Kind,

Freunde und liebe Begleiter –

nur mehr Erinnerung sind.

 

Sehe lebendige Bilder,

höre von fern Melodien,

die mich erinnern an Schönes –

längst schon vergangen, vorbei!

 

Sehe die heutigen Zeiten

laufend dahin so geschwind,

sie mich ins Morgen begleiten,

wenn ich werd’ wieder ein Kind.

 

Einmal wird auch unser Leben

nur mehr Erinnerung sein,

Bilder vergangener Zeiten,

Reste des einstigen Seins
Namen auf schwarzem Gestein.